Aus der Geschichte der Marktgemeinde Hofkirchen.

Hofkirchen soll im Jahre 737 von den niederbayerischen Herzögen der Agilolfinger gegründet worden sein. Urkundlich erwähnt wird es erstmals am 5. November 1005. Bereits vor 1300 wird der Ort als Markt bezeichnet, doch erst 1387 wurde ihm durch Herzog Albrecht d.J. das Recht zu einem "ewigen" Wochenmarkt an allen Montagen verliehen. Durch Herzog Georg dem Reichen erhielt Hofkirchen im Jahre 1481 einen Wappenbrief und ein Siegel, jenes Wappen, welches der Ort auch heute noch fährt.

Die reichbewegte Geschichte des Marktes berichtet von zahlreichen schweren Heimsuchungen. Überschwemmungen, Krieg und Pest und mehrfach große Feuersbrunst brachten viel Leid über die Bewohner des Donaumarktes. Mit großer Opferbereitschaft aber gelang es den Bürgern stets wieder aufzubauen und begünstigt durch die Lage am verkehrsreichen Donaustrom war dem Ort, als eine Hauptstätte der Floß- und Schifffahrt, bald wieder Wohlstand beschieden.

Der Handel blühte und reges Leben kehrte in Hofkirchen ein, das den Donaureisenden, Schiffsleuten und Gewerbetreibenden mit sieben Braustätten, mehreren Gasthöfen, Sommergärten und Bierkellern Unterkunft und Verpflegung bot. Sogar einen Kaiser beherbergte der Markt im Jahre 1745, als am 18.Oktober das Prunkschiff des deutschen Kaisers Franz Stephan I. (1745-1765) in Hofkirchen anlegte. Im heutigen Gasthof Buchner bezog der Monarch mit seinem Gefolge Nachtquartier. Die Straßenbezeichnung "Kaiserstraße" erinnert noch heute an diesen ehrenvollen Tag in der Geschichte Hofkirchens.

Erst 1837, mit Beginn der Donaudampfschifffahrt, verlor der Ort merklich an Bedeutung. Die 1862 eröffnete Bahnstrecke Passau - Straubing tat das übrige und so sollte für Hofkirchen das Zeitalter der Stille und Vergessenheit beginnen. Eine neue Einnahmequelle aber erstand dem Markt dann Anfangs des 19. Jahrhunderts.
Ein weltbereister Hofkirchener Bürger, der Posthalter und Fuhrunternehmer Josef Reischer (1775-1850), hatte in Lyon in Südfrankreich den Anbau der Weberkarde kennengelernt und brachte diese schön blaublühende Distelart nach Hofkirchen, wo sie prächtig gedieh und bald, feldmäßig angebaut, ein einträgliches Geschäft für die Landwirte in der Umgebung des Marktes wurde.
In hohen vierspännigen Planfuhren wurde die "Kardl" alljährlich zu Hunderttausenden in alle Welt verfrachtet, wo sie in großen Tuchfabriken zur Aufrauung des Tuches benötigt wurden und lange Zeit nicht durch ein künstliches Erzeugnis ersetzt werden konnte. In den letzten Jahrzehnten verlief die Entwicklung des Marktes eher ruhig, aber doch stetig aufwärtsstrebend.

Hofkirchen trotzte auch der Gebietsreform und konnte durch den Zusammenschluss mit der Gemeinde Hilgartsberg (1970) und der Eingemeindung des größten Teils der früheren Gemeinde Garham (1978) eine selbständige Gemeinde bleiben, die nun ca. 3.600 Einwohner zählt.


 


Die Marktgemeinde Hofkirchen von 1978 bis heute

Am 1. Mai 1978 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der bayerischen Gemeinden und auch für den Markt Hofkirchen.

Die große Gebietsreform, die sich schon über mehrere Jahre hingezogen hatte, wurde zu diesem Termin im wesentlichen zum Abschluss gebracht. Durch die Gebietsreform verringerte sich die Zahl der Gemeinden in Bayern von 7073 auf 2052, über 5000 Gemeinden wurden aufgelöst und zu größeren Einheiten zusammengeschlossen.

Während sich die Gemeinden von 1970 bis 1976 noch ziemlich frei zusammenschließen konnten, war das ab 1976 nur mehr nach dem Konzeptplan der Regierung möglich.
Als eine der ersten Gemeinden haben sich schon 1970 der Markt Hofkirchen und die Gemeinde Hilgartsberg zusammengeschlossen und damit eine Gemeindegröße von ca. 1900 Einwohnern erreicht.

Nachdem aber der Staat dann Gemeindegrößen von 4000 bis 5000 Einwohnern anstrebte, musste Hofkirchen noch einmal um seine Selbstständigkeit bangen.
Es war schwierig, von umliegenden Gemeinden Gebiete zu bekommen:
Im Westen die Donau, im Süden Vilshofen, im Norden hatte sich Nesslbach schon mehr in Richtung Winzer orientiert. Erst als die Einwohnerrichtzahl auf 3000 Einwohner herabgesetzt wurde und die Regierung den westlichen Teil von Garham, der sich bei der Bürgerabstimmung für Vilshofen ausgesprochen hatte, Hofkirchen zuordnete, konnte Hofkirchen wieder auf Selbstständigkeit hoffen.

Schließlich hat der Gemeinderat von Garham in die Planung der Regierung eingewilligt und einem freiwilligen Zusammenschluss mit Hofkirchen zugestimmt. Am 1. Mai 1978 wurde der Großteil von Garham mit 1020 Einwohnern nach Hofkirchen und der nördliche Teil von Garham mit 350 Einwohnern nach Eging eingemeindet.

Mit dem Zuwachs von Garham konnte Hofkirchen selbstständige Gemeinde bleiben. Jahrelange Auseinandersetzungen gab es auch um die Ortschaft Schöllnstein. Die Ortschaft, die früher zu drei Gemeinden gehörte, sollte geschlossen zu einer Gemeinde kommen. Obwohl sich die Schöllnsteiner bei der Bürgerabstimmung am 10. Juni 1979 mit 72 % für Hofkirchen aussprachen, verfügte die Regierung, dass Schöllnstein geschlossen zu Iggensbach komme. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass der überwiegende Teil der Ortschaft bereits zu Iggensbach gehöre und Iggensbach als die kleinere Gemeinde auf Schöllnstein eher angewiesen sei als Hofkirchen. Mit Wirkung vom 1. Januar 1983 wurde Schöllnstein insgesamt in die Gemeinde Iggensbach eingegliedert.

Mit der Wahl der neuen Gemeindevertretung konnte die Gebietsreform beendet und ein neuer Anfang gesetzt werden.
Am 1. Mai 1978 übernahm Josef Weiß, von 1972 - 78 bereits Bürgermeister in Garham, das Bürgermeisteramt in Hofkirchen. In der ersten Gemeinderatssitzung am 3. Mai 1978 wurde der neue Gemeinderat vereidigt, Franz Roßgoderer wurde zum 2. Bürgermeister gewählt.

Bürgermeister der Marktgemeinde Hofkirchen seit dem Gebietszusammenschluss 1978:
01.05.1978 - 30.04.2002: Josef Weiß
01.05.2002 - 30.04.2020: Willi Wagenpfeil
01.05.2020 - dto.:             Josef Kufner


Eine Distel, die Hofkirchen reich machte 



Der Posthalter Reischer von Hofkirchen ist weit in der Welt herumgekommen. Jetzt gerade ist er aus Frankreich zurückgekehrt. Darum füllt er sich auch am Sonntag seine Gaststube mit Nachbarn und Freunden. Fest drückt der Wirt jedem Gast die Hand. Dann aber macht er seine Freunde wirklich neugierig. Er habe ihnen etwas mitgebracht, sagt er, etwas ganz, ganz Seltsames. Er geht in die Kuchel und kommt mit einem Säcklein wieder.

"Ah, einen Geldsack", lacht der Schneider Hans.
"Noch nicht! Geld muss erst daraus wachsen", sagt der Posthalter.
"Ein Geldsamen ist da drinnen. Schaut, Manner, ihr habt alle daheim nur ein paar kleine Ackerl. Und was bringen sie euch? Ein paar Zentner Erdäpfel. Die braucht ihr leicht selber zum Leben. Ein paar Scheffel Getreide. Das reicht nicht einmal für euer täglich's Brot. Verkaufen könnt ihr gar nichts. Ewig bleibt ihr nötige Häusler. Wenn ihr aber Karden Disteln anbaut wie die Kleinbauern in Südfrankreich, dann tragt euch ein kleines Ackerl soviel Geld ein wie dem Gäubauern ein großer Weizenacker."

Da springt der Häslmaier auf: "Möchtest uns zum Narren halten? Disteln auch noch anbauen? Die wachsen schon von selber, mehr als genug."

"Nur schön langsam", sagt der Posthalter. "Das sind ja ganz andere Disteln, noble, vornehme. Karden heißen sie. Die verblühten Distelköpfe kaufen euch die Fabrikherren ab. Diese Disteln brauchen sie , um damit die Stoffe und Tuche schön weich und warm aufzurauen. Und ihr kriegt dafür teures Geld. Probiert's einmal und baut diesen Kardensamen an!" Dann erklärter ihnen noch genau die Wart und Pflege, die eine solche Distel braucht.

Zuletzt horchen ihm die Männer so gespannt zu, dass sie darüber schier aufs Trinken vergessen. Wie sie dann auseinandergehen, trägt jeder in seinem leeren Tabaksbeutel eine handvoll Kardensamen heim.

Im übernächsten Sommer blühen um Hofkirchen die ersten Kardenfelder und im Herbst stecken die Hofkirchener stolz und glücklich die ersten Taler dafür ein.

Von Jahr zu Jahr werden die Distelfelder mehr und die Hofkirchener sind ordentlich stolz geworden auf ihre Karden.
Im letzten Krieg aber haben sie jedes Fleckchen Erde fürs tägliche Brot gebraucht. Seitdem sind die Kardenfelder, die sie viele Jahre ernährt haben, wieder verschwunden.

(Auszug aus dem Heft Nr. 101 der Reihe "Niederbayerische Hefte")
Noch heute erinnert die Straßenbezeichnung des Kardenweges in Hofkirchen an den einst blühenden Handel mit den Kardendisteln.


Pauliskirta am 3. Sonntag im Januar in Hofkirchen (bis 2006 am 25. Januar)

Über 600 Jahre Marktgeschichte sind heute am Pauliskirta in Hofkirchen noch lebendig.
Im Laufe der Jahrhunderte wandelten sich zwar das Warenangebot und die Unterhaltungsmöglichkeiten, der Grund zum Feiern aber blieb. Früher schickten die Bauern ihre besten Rösser ins Rennen, heute schicken die großen Politparteien ihre besten Zugpferde zur Pauliskirta-Kundgebung am 25. Januar nach Hofkirchen.

Der Buchner- Saal und der Gasthof zur Post sind die wichtigsten Schauplätze der Politkundgebungen. Das rege Handlungsgeschehen und die Aufgabe, das Umland mit Gewerbeprodukten zu versorgen bzw. den Bauern Absatzmöglichkeiten zu verschaffen, veranlassten im Jahre 1387 Herzog Albrecht, Hofkirchen mit einem Wochenmarkt zu privilegieren.

Dieser Grund für die Verleihung des Marktrechts ist heute wieder so aktuell wie damals, nur heute spricht man von Selbstvermarktung.
1387 wurde dem Donaumarkt Hofkirchen der montägliche Wochenmarkt zugestanden, der vor allem die laufende Lebensmittelversorgung des Ortes garantierte. Für die Versorgung der Landbewohner mit gewerblichen Produkten wurden daneben die Jahrmärkte immer wichtiger.

Im Zuge dieser Entwicklung erhielt Hofkirchen im Jahre 1414 das Privileg, drei Jahrmärkte abzuhalten. Deren Termine stimmen mit Wendepunkten im Jahreskreis des bäuerlichen Kaufpublikums überein. Der erste Jahrmarkt am ersten Sonntag im September fällt in die Zeit nach der Ernte - da waren die Bauern wieder in der Lage, Geld auszugeben. Der zweite Jahrmarkt, am 25. Januar (Pauli Bekehrung), steht am Ende des Winters - und kurz vor Beginn des neuen Arbeitsjahres an Maria Lichtmeß. Der dritte Jahrmarkt schließlich, der am ersten Sonntag nach Ostern, fällt in die Zeit des Beginns der Hauptarbeit auf den Feldern.

Zu diesen Terminen war mit entsprechenden Kaufbedürfnissen oder mit Kauffreude zu rechnen. Von diesen ehemals vier Markttagen ist nur der Pauliskirta übriggeblieben, der sich aber noch heute größter Beliebtheit erfreut. Nach vielen Schwankungen im Laufe der Jahrhunderte führte das Wiedererblühen des Pauliskirta dazu, dass der Markt ab 1893 wieder regelmäßig an seinem altüberliefertem Termin stattfand.

1924 wurde dieser Markt um eine große Attraktion bereichert, um ein Pferdeschlittenrennen oder bei Schneemangel ein Pferderennen.
Die Motorisierung und die Strukturveränderungen führten jedoch dazu, dass trotz des Engagements des damaligen Rennvereins die Pferde fehlen, 1959 fand das letzte Pauliskirtarennen statt. Ein Wiederaufleben der Schlittenrennen würde heute wohl weniger am Pferde- als am Schneemangel scheitern. Der Markt ist aber trotzdem noch ein großes Ereignis und steht daher noch heute so im Bewußtsein der Bevölkerung, wie ihn Pfarrer Penzenstadler im Jahre 1935 beschrieben hat:

"Am 25. Januar ist in der Pfarrei Hofkirchen schon seit jeher großer Jahrmarkt nach Möglichkeit mit Schlittenrennen (Pauliskirta). Dieser Tag ist kein kirchlicher Feiertag, es wird hier auch kein eigener Gottesdienst gehalten, aber es kommen an diesem Tage alljährlich hier sehr viele Leute aus Nah und Fern zusammen zur allgemeinen weltlichen Feier des Pauluskirta."

Um das Markttreiben noch besser zu beleben, findet der Pauliskirta seit dem Jahr 2007 immer am 3. Sonntag im Januar statt.

 


Heimatlied der Hofkirchener

Von Max Peinkofer, Niederalteich
Vertont von Hans Werthmann, Passau

Hofkircha hoaßt mei Hoamatort,
dem sing i iatz a Liad.
Dös Liadl, dös mei Hoamat preißt,
is gwachsn in mein Gmüat.
Es is koa wunder, daß der Markt
an jedn Menschn gfallt,
er liegt so schön am Donaurand
und aa am Bayerwald

Mei Hoamat is a Paradies,
dös sag enk i ganz frei!
Hofkircha liaber Hoamatmarkt,
i bleib dir ewig treu!

Steig aufi aufn Kirchaturm,
da woaßt as nachand gwiß,
daß unser liaber alter Markt
recht schön und prächtig is!
Du moanst, du bist im Himmi drobn,
so weit sehgst umanand.
Dö Doana rauschts, der Wald, der singts:
O schönes Bayerland!

Mei Hoamat is a Paradies,
dös sag enk i ganz frei!
Hofkircha liaber Hoamatmarkt,
i bleib dir ewig treu!

War dös a Lebn z' Hofkircha
dawohl in der altn Zeit,
am Ufer hat sich no ebbs grührt
und Geld hats gebn und Leut.
Sogar vo Wean der Kaiser Franz
is dabliebn über Nacht,
und gfalln hats eahm, dös hat den Markt
recht stolz und glücklich gmacht.

Mei Hoamat is a Paradies,
dös sag enk i ganz frei!
Hofkircha liaber Hoamatmarkt,
i bleib dir ewig treu!

Und wanns amal zum Hoamgehn wird,
muaß 's in der Hoamat sei.
Doat, wo die blaue Donau singt,
da grabts mi freilich ei!
Dort liegn aa meine Eltern drin,
da schlaf i dann so guatwia 's Kinderl,
dös so wunderbar bei seiner Muattern ruaht.

Mei Hoamat is a Paradies,
dös sag enk i ganz frei!
Hofkircha liaber Hoamatmarkt,
i bleib dir ewig treu!




Hofkirchen 1960


Hofkirchen 1972


Hofkirchen 1990


Hofkirchen 2006


Garham 1968


Garham 1982


Garham 1996


Garham 2006

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